15.12.2014

Netz-Test Chip 2014 und Aussichten für 2015

Auch in diesem Jahr hat das Computer-Magazin Chip die UMTS-LTE-Netze der deutschen Netzbetreiber Telekom, Vodafone, Telefonica o2 und E-Plus unter die Lupe genommen. Die LTE-Netze standen dabei im Fokus. Das Ergebnis ist – wie eigentlich jedes Jahr – wenig überraschend. Die Telekom Deutschland trägt den Gesamtsieg davon, der Rest rangiert im Mittelfeld.

Datenmessungen mit Long Term Evolution-fähigen Geräten

Chip hat in diesem Jahr zum fünften Mal die deutschen Netze auf Herz und Nieren getestet. Mit Messgeräten ausgestattet, legten die Test-Ingenieure des Chip-Partners NET CHECK rund 5.600 Kilometer über deutsche Autobahnen und Landstraßen zurück. Insgesamt wurden über 100.000 Einzelmessungen mit Millionen von Messwerten erhoben. Ausführlich wurde die UMTS-LTE-Netz-Qualität in der bevölkerungsreichsten Stadt jedes Bundeslandes getestet. Dafür waren die Tester je zu einem Drittel der Zeit mit dem Auto, zu Fuß und in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.

Erstmals lag der Fokus des Netztests auf den 4G-Netzen der Mobilfunkanbieter. Aus diesem Grund wurden für den Netztest LTE-fähige Geräte genutzt – darunter die Smartphones Samsung Galaxy S3 und S5. Stand LTE an einem Standort nicht zur Verfügung, wurde in das UMTS- bzw GSM-Netz gewechselt.

Breitband-Netz-Test: Telekom verteidigt zum wiederholten Mal den ersten Platz

Die Telekom Deutschland konnte auch in diesem Jahr überzeugen und belegt insgesamt Platz 1. In der Gesamtwertung erreichte das Bonner Unternehmen eine Punktzahl von 87,7, was der Note 1,7 entspricht. Somit konnte sich die Telekom im Vergleich zum Vorjahr (Note 2,08) nochmals steigern. Was die Sprachverbindungen angeht, liegt die Telekom knapp vor Vodafone. Insgesamt weist der Bonner Mobilfunker die geringste Fehlerquote auf. Lediglich 0,71 Prozent der Gespräche wurden abgebrochen. Der Anteil der Fehler beim Verbindungsaufbau lag bei 1,66 Prozent. Bei den Datenverbindungen konnte sich die Telekom noch deutlicher von der Konkurrenz abheben. So wurden während des Tests in Mainz Spitzenwerte von durchschnittlich 59,8 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) gemessen. Besonders beeindruckend ist der Unterschied zwischen der Telekom und den anderen Netzbetreibern in Bremen. Hier erreichte man im Netz des Bonner Unternehmens durchschnittliche Werte von 41,7 Mbit/s, während die Konkurrenz magere 6,9 beziehungsweise 9,2 Mbit/s bot.   

Telekom: Surfgeschwindigkeiten bis zu 100 Mbit/s

Betrachtet man ausschließlich die Höchstgeschwindigkeiten, die im Test erzielt wurden, füllt die Telekom die Liste beinahe komplett alleine aus. Bei den Einzelmessungen erscheint erstmals auf Platz 44 mit Vodafone ein anderer Anbieter. Auf Platz 72 ist dann auch E-Plus vermerkt. Testsamples mit durchschnittlich über 100 Mbit/s wurden während des Tests nur im Telekom-Breitband-Netz erreicht. Die mittlere LTE-Download-Geschwindigkeit liegt bei guten 38,4 Mbit/s. Insgesamt lagen 52,4 Prozent aller Speedraten über 20 Mbit/s. Was die Dauer des Seitenaufbaus anbelangt, liegt die Telekom nur knapp vor Vodafone. Durchschnittlich brauchten die Tester im Telekom-LTE-Netz 3,6 Sekunden, um die Test-Webseiten wie m.chip.de oder m.facebook.com/chip zu öffnen.

Vodafone punktet mit guter 4G-Internet-Abdeckung

Vodafone muss sich einmal mehr der magentafarbenen Konkurrenz geschlagen geben. Mit der Gesamtnote 2,1 (81,0 Punkte) landet das Düsseldorfer Unternehmen auf den zweiten Platz. Dafür bescheinigen die Chip-Tester Vodafone die beste LTE-Internet-Versorgung in Deutschland. Im Bereich der Telefonie belegt Vodafone einen guten zweiten Rang – was nicht bedeutet, dass es keine Probleme gibt. Bei den Messungen entlang von Autobahn und Landstraße sind eine Menge Verbindungsfehler aufgetreten – mehr als bei o2 oder E-Plus. Beim Thema mobiles Surfen erreicht Vodafone eine mittlere LTE-Surfgeschwindigkeit von rund 17,1 Mbit/s. Damit liegt Vodafone gemeinsam mit o2 auf dem letzten Platz. Nur 25,8 Prozent aller gemessenen Downloads erreichen 20 Mbit/s oder mehr. Dafür punktet der Düsseldorfer Mobilfunker bei den Upload-Raten im LTE-Funknetz. 84,5 Prozent aller Uploads lagen bei 2 Mbit/s und darüber – das ist deutlich vor der Konkurrenz. Beim Öffnen der Test-Webseiten liegt Vodafone mit 3,9 Sekunden nur knapp hinter der Telekom.

o2: Leichte Schwächen im Sprach- und Data-Mobilfunknetz

Der Münchener Netzbetreiber o2 liegt mit seinem Fusionspartner E-Plus auf dem dritten Platz. In der Gesamtwertung wird o2 mit der Note 2,7 bewertet (72,3 Punkte). Im Sprachbereich hat sich der Münchener Mobilfunker im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert. Zusammen mit Vodafone weist o2 die meisten Verbindungsfehler auf. Zudem liegt der durchschnittliche Wert für den Rufaufbau bei zähen 8,21 Sekunden. Auch das Data-Netz kann mit den großen Konkurrenten Telekom und Vodafone nicht mithalten – trotz der guten LTE-Verfügbarkeit von 58 Prozent. Die Surfgeschwindigkeiten im LTE-Funknetz liegen bei durchschnittlich 16,6 Mbit/s. Für LTE eindeutig zu langsam. Insgesamt kamen 16,9 Prozent der Downloadraten über 20 Mbit/s. Der Aufbau der Test-Websites liegt bei 4,1 Sekunden und ist somit langsamer als bei Telekom und Vodafone. Weiter fällt auf, das o2 mit seinem Netz Probleme auf dem Land hat. Erreichte das Surf-Netz in der Stadt noch gute 80 Punkte, fällt der Wert auf den Autobahnen auf 43,1 und auf den Landstraßen auf 51 Punkte ab.

E-Plus: Geringe LTE-Verfügbarkeit verhindert besseres Ergebnis

E-Plus hat erst spät mit dem LTE-Netzausbau begonnen. Aus diesem Grund fällt der Mobilfunker im Vergleich zur Konkurrenz etwas ab. Insgesamt kann der Netzbetreiber aber mit einem Gesamturteil von 2,7 (72,3 Punkte) vor allem dort überzeugen, wo LTE bereits zur Verfügung steht. Im Bereich der Telefonie belegt E-Plus hinter Telekom und Vodafone einen soliden dritten Platz. Bei der Quote der Verbindungsfehler mit rund 2,6 Prozent liegt der Potsdamer Netzbetreiber sogar auf Platz zwei hinter der Telekom. Auch bei dem Rufaufbau benötigt E-Plus ganze sieben Sekunden weniger als Vodafone und o2. Im Surf-Netz hat E-Plus gegenüber der Konkurrenz einen deutlichen Nachteil: Die 4G-Verfügbarkeit liegt bei unter 30 Prozent. Schwächen machten sich vor allem in Städten wie Bremen, Erfurt, Hannover, Kiel und Saarbrücken bemerkbar, wo noch kein 4G zur Verfügung steht. Dort, wo der 4G-Standard bereits ausgebaut wurde, ist an den Datenraten nichts auszusetzen. In Berlin erzielten die Tester im E-Plus-Netz sogar die höchsten Download-Raten von allen Netzen. Bei den mittleren 4G-Downloadraten liegt E-Plus mit 26,7 Mbit/s auf den zweiten Platz. Insgesamt erreichten 20,3 Prozent der Downloadraten die Marke von 20 Mbit/s. Beim Abruf der Test-Seiten im LTE-Funknetz musste sich der Mobilfunker mit 4,3 Sekunden aber der Konkurrenz geschlagen geben.

Fazit: LTE-Funknetze werden immer schneller und zuverlässiger

Im Vergleich zum Vorjahres-Test haben sich die Mobilfunknetze – vor allem im 4G-Datenbereich – deutlich weiterentwickelt. Die Netze sind schneller und zuverlässiger. Auch wenn es bei einigen Betreibern leichte Abstriche gibt, wie die noch magere 4G-Verfügbarkeit bei E-Plus oder die vergleichsweise schlechte Sprachqualität bei o2, konnten alle Mobilfunknetz-Betreiber überzeugen. Eins hat der Chip-Netztest einmal mehr gezeigt: Die Telekom ist die unangefochtene Nummer eins. Im Vergleich zum Vorjahr konnte das Bonner Unternehmen sogar noch einen großen Schritt nach vorne machen.

Autor: Boe