17.06.2013

PC-Hersteller drängen in den Tablet-Markt

PC-Hersteller wollen den Tablet-Markt erobern. Unter dieser Kampfansage könnte die diesjährige IT-Messe Computex in Taiwan zusammengefasst werden. Unternehmen wie Intel oder Microsoft stellten Pläne vor, wie sie mit eigenen Produkten die Konkurrenten Apple und Samsung jetzt wieder angreifen wollen. Dabei setzen sie vor allem auf niedrigere Preise und weniger Energieverbrauch.

Für Unternehmen wie Apple steigt der Umsatz durch Smartphones und Tablets seit den letzten Jahren stetig weiter an. Verschiedene IT-Experten gehen davon aus, dass der Absatz von Tablets alleine in Deutschland noch im Laufe dieses Jahres die 5-Millionen-Marke überschreiten wird. Verlierer dieser Entwicklung sind die PC-Hersteller. Ihre Umsätze stagnieren und sind zum Teil sogar rückläufig.

Neustart für das Duo Microsoft und Intel

Doch damit soll jetzt Schluss sein. Vor allem Microsoft und Intel bewerben ihren Neustart intensiv. Lange waren sie das Traumpaar der PC-Industrie, doch mit der zunehmenden Verbreitung von mobilen Endgeräten wurde ihr Wachstum jäh ausgebremst. "Für uns ist es zwingend, dass wir uns in Richtung von Detachables, Hybriden, Tablets, 'Phablets' und Smartphones bewegen", sagt Gregory Bryant, Vizechef von Intel für die Asien-Pazifik-Region.

Bisher setzen die meisten Hardware-Hersteller für mobile Endgeräte aber nach wie vor auf die bewähre Kombination aus dem kostenlosen Betriebssystem Android von Google und auf preiswerte Prozessoren von ARM. Einiger dieser Chips werden inzwischen für rund 10 Dollar Einkaufswert angeboten. Intel liegt für ähnliche Produkte noch bei etwa 100 Dollar. Daher können auch Unternehmen wie Amazon kleine Tablets mit ARM-Chips für weniger als 200 Euro anbieten. Und auch Samsung hält die Einstiegspreise für sein Chromebook dank ARM-Cip deutlich niedriger, als die meisten Laptops mit Windows.

Preisnachlas für Hersteller

Daher ist es ein Ziel von Microsoft den Preis für seine neuen Laptops mit Touchscreen deutlich zu senken. Angestrebt ist ein Einstiegspreis von 300 Dollar (rund 230 Euro). Momentan liegt der Marktpreis für vergleichbare Geräte in den USA bei etwa 700 Dollar. Erreichen will Microsoft sein Ziel mit speziellen Rabatten für Hardware-Hersteller. Diese sollen in Zukunft nur noch ein Drittel des Listenpreises für Software wie das Betriebssystem Windows oder Microsoft Office bezahlen müssen.

Intel arbeitet derzeit daran zusammen mit AMD neue Prozessoren zu entwickeln – darunter auch besonders energiesparende Modelle. Diese sollen eine Akkulaufzeit von bis zu 24 Stunden ermöglichen. Das wäre dann ein weiterer Schritt Richtung Tablet-Markt. Lange Laufzeiten sind bei Geräten anderer Hersteller schon länger üblich.

Um auf dem Tablet-Markt eine echte Konkurrenz für diese Hersteller zu werden, ist es für Intel also entscheidend, seine Chips auch in Geräten unterzubringen, die mit Google-Android laufen. Samsung beispielsweise setzte bei der jüngsten Serie des Tablets Galaxy Tab 3 bereits auch die Atom-Chips von Intel, heißt es aus informierten Kreisen.

Intel: Facelift für Atom-Prozessoren

Ein weiterer wichtiger Schritt ist deshalb auch die Überarbeitung der Prozessorserie Atom. Die Bay Trail soll preiswerter und vor allem stromsparender sein. Es wird erwartet, dass die Serie noch im Laufe des Jahres auf den Markt kommen wird. Experten gehen davon aus, dass dieser Chip dann zusammen mit den angekündigten Software-Rabatten von Microsoft die Verkaufszahlen von Tablets und Laptops, welche die Touchbedienung von Windows 8 nutzen können, deutlich anheben wird.

Ein Umsatzplus versprechen sich die PC-Hersteller außerdem von sogenannten Hybridmodellen. Das sind Laptops die sowohl mit den Fingern auf dem Display als auch mit Tastatur und Maus bedient werden können. Und die Preise für diese Geräte werden deutlich sinken.

Hybridmodelle von Acer

So hat Acer bereits mit der Serie Aspire V5 den Einstiegspreis für die Hybride deutlich gesenkt. In Deutschland kostet es rund 400 Euro. Verbaut wurde darin der AMD-Chip Temash, Betriebssystem ist Windows 8. Und die Verkaufszahlen von Acer sind durchaus ein positives Signal für die Branche. "Die Zahl der Geräte mit Touchscreen und Windows 8 hat sich vom ersten auf das zweite Quartal verdoppelt", sagt Acer-Chef J.T.

Abgeschrieben sind PC-Hersteller trotz des großen Booms von mobilen Endgeräten also noch nicht. Allerdings müssen sie einen großen Vorsprung aufholen, weshalb es wichtig ist neue Nischen zu besetzen und das „Ökosystem“ neu zu erfinden, wie es Microsoft Chief Operating Officer Kavin Turner nennt.

Autor: MBR